Wie nachhaltig sind Zwickau und Deutschland?

Deutschland hat sich einst als Vorreiter in Sachen Energiewende und Nachhaltigkeit positioniert. Doch wie stehen wir tatsächlich im Vergleich mit anderen Ländern da? Und wie schlägt sich Zwickau bei den Themen erneuerbare Energien und Müll vermeiden? 

Abgeschlagen in Sachen erneuerbare Energien

Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Endenergieverbrauch liegt in Deutschland erst bei rund 17 Prozent. Dazu kommt, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bei der Energiewende gar nicht so gut dasteht, wie viele denken. Der Anteil erneuerbarer Energien ist nämlich in 23 Ländern der EU größer als in Deutschland. Vorreiter sind die nordischen Länder Island und Norwegen mit mehr als 70 Prozent erneuerbaren Energien. Für Zwickau sind leider nur Daten aus dem Jahr 2015 verfügbar. Damals lag der Anteil Erneuerbarer bei nur zehn Prozent. Hier muss also noch viel passieren. Hoffnung machen einige Leuchtturmprojekte wie das Forum “Zwickauer Energiewende Demonstrieren” (ZED). Das ist ein Forschungsprojekt zum Thema, wie sich die Energiewende konkret in einem Stadtteil umsetzen lässt. Dabei dient Marienthal als Beispiel und Pilotprojekt. Bis zu 22 Millionen Euro will der Bund in dieses Leuchtturmprojekt investieren. So wird es beispielsweise eine Ausleihstation für E-Bikes geben.

Abbildung: Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energiemix. Quelle: Eurostat

Unter den Schlusslichtern beim Müll vermeiden

Deutschland gehört zu den drei größten Müllproduzenten weltweit, wenn es um die Pro-Kopf-Produktion geht. Und bei der absolut produzierten Menge stehen wir immerhin an vierter Stelle. Dabei haben 15 Länder auf der ganzen Welt mehr Einwohner als Deutschland. In Zahlen heißt das konkret: Deutschland produziert pro Tag fast 130.000 Tonnen Müll. Das sind pro Kopf und Jahr etwa 560 Kilogramm. Zum Vergleich: Indien ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Erde, produziert jedoch am Tag “nur” 110.000 Tonnen Müll. Pro Kopf sind es nur rund 30 Kilogramm pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet Deutschland also nicht gut ab. 

Abbildung: Müllproduktion weltweit. Quelle: Statista

Auch Zwickau steht im sachsenweiten Vergleich nicht gut da: Jeder Zwickauer verursacht mehr als 54 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Zwickau ist damit trauriger Rekordhalter in Sachsen – keine andere Stadt im Bundesland erzeugt mehr Verpackungsmüll

Lichtblick: Zwickau ist Klimaschutzkommune

Trotz all dieser negativen Aspekte darf sich Zwickau erneut Europäische Energie- und Klimaschutzkommune nennen. Die Auszeichnung wird nach einer internen und externen Prüfung vergeben, wenn die Stadt eine Mindestanzahl von Punkten erfüllt. Dazu gehören zum Beispiel energieeffiziente Straßenbeleuchtung oder die CO2- und Treibhausgase kommunaler Gebäude. In diesem Jahr konnte Zwickau beispielsweise mit Erdgastankstellen und einem Wärmespeicher im Fernwärmenetz punkten. Ein Anfang ist gemacht.

 

Dennoch bleibt noch sehr viel zu tun. So fehlt noch immer ein Netz aus sicheren Radwegen sowie Abstellplätze für Fahrräder. Auch muss Zwickau besser an den Fernverkehr der Deutschen Bahn angebunden werden. Die Stadt muss die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen und die regionale und ökologische Landwirtschaft fördern. Dafür müssen wir ein Bewusstsein schaffen. Wir müssen unsere Mitmenschen in Zwickau und ganz Deutschland überzeugen, wie wichtig Nachhaltigkeit für den Erhalt der Umwelt für unsere Kinder ist. Vielleicht hilft es dabei zu wissen, wie wir im Vergleich mit anderen abschneiden.