So kannst du deinen Alltag in Zwickau nachhaltiger gestalten

Du willst Müll vermeiden, etwas für die Umwelt und die Zukunft tun? In diesem Text findest du einige Tipps und Hinweise, die dir dabei helfen können.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit und warum ist das wichtig?

Nachhaltig leben lässt sich in drei Handlungsfelder einteilen: weniger konsumieren, ökologischer konsumieren und wiederverwerten.

Weniger konsumieren: Nachhaltig zu leben bedeutet einerseits, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen als im gleichen Zeitraum nachwachsen. Aktuell konsumieren wir – die Menschen in den Industrieländern – aber viel mehr, als das Ökosystem unserer Erde produzieren kann. Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen, bräuchten wir drei Erden . Wir müssen in Zukunft also einfach deutlich weniger Ressourcen verbrauchen und das geht vor allem durch weniger Konsum.

 

Ökologischer Konsum: Ein weiterer Aspekt von Nachhaltigkeit ist es aber auch, den natürlichen Lebensraum von Tier und Mensch zu erhalten. Das wird immer schwieriger wegen der globalen Erderwärmung, abschmelzender Pole und Gletscher und zunehmenden Wetterextremen wie Stürme und Fluten. Wüsten breiten sich sogar schon bis nach Europa aus. Darum ist es wichtig, dass wir unseren ökologischen Fußabdruck verringern: Wir müssen CO2-Erzeugung und Wasserverbrauch reduzieren, aber auch die Wälder und Meere nicht mit unserem Müll verschmutzen. Darum müssen wir mehr darauf achten, was und wie wir konsumieren.

 

Wiederverwerten: Es geht aber nicht zuletzt darum, die Stoffe, die wir benötigen, in den Kreislauf zurückzuführen. Indem wir Dinge recyclen, verbrauchen wir weniger neue Ressourcen. Unser Kreislaufsystem in Deutschland ist nicht perfekt, aber in Kombination mit Müllvermeidung kann Recycling einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Daneben werden auch Upcycling, Ausleihkonzepte und Second Hand immer populärer und tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen.

 

Warum ist das wichtig? Wir wollen unseren Kindern und der Nachwelt eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. Mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt und genügend Lebensraum für alle. Denn nur, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht über die von anderen stellen, können wir in einer gerechten und nachhaltigen Welt ohne Müll leben. Und das schließt natürlich die Bedürfnisse von künftigen Generationen, aber auch anderen Lebewesen mit ein.

 

Was können wir konkret dafür tun? Wie können wir im Alltag nachhaltiger leben? In den nachfolgenden Zeilen erhaltet ihr ein paar einfache Tipps.

 

Müll vermeiden – Schritt für Schritt Alternativen finden

Jeder Einwohner in Zwickau verursacht jährlich mehr als 54 Kilogramm Plastikmüll. Innerhalb von nur 3 Jahren ist diese Menge um 6 % gestiegen. Zwickau ist damit trauriger Rekordhalter in Sachsen - keine andere Stadt im Bundesland erzeugt mehr Verpackungsmüll. Aber niemand kann von einem Tag auf den anderen komplett nachhaltig leben. Am besten startest du mit kleinen Schritten und überlegst dir nach und nach Alternativen, mit denen du Müll vermeiden kannst.

Zum Beispiel kannst du zum Einkaufen Plastiktüten durch Stoffbeutel ersetzen. Die kannst du ab und zu waschen und immer wieder benutzen. Dass du die Beutel häufig verwendest, ist wichtig. Denn die Produktion verbraucht viel Wasser und erzeugt CO2. Damit ein Stoffbeutel nachhaltiger ist als die Alternative aus Plastik, solltest du ihn mindestens 50 bis 150 Mal benutzen. Für kleine Spontankäufe kannst du dir außerdem angewöhnen, immer einen Beutel in der Tasche zu haben.

 

Der nächste Tipp ist nicht nur nachhaltig, sondern auch bequem: Wasser aus der Leitung trinken statt aus der Plastikflasche. Die Qualität unseres Leitungswassers ist sehr gut, besser als die von Mineralwasser. Falls du dir unsicher bist, kannst du dich bei den Wasserwerken in Zwickau informieren. Oder du kannst in der Apotheke ein Testkit kaufen, um dein Leitungswasser selbst zu überprüfen. Du magst dein Wasser aber gerne mit Kohlensäure? Dafür gibt es Geräte. Du magst dein Wasser gerne mit ein bisschen Geschmack? Dann gib einen Spritzer Zitrone dazu oder koche dir eine Kanne voll leckeren Tee. Den kannst du natürlich im Sommer erfrischend kalt trinken. Dadurch vermeidest du nicht nur Müll, sondern musst auch weniger Flaschen vom Supermarkt nach Hause schleppen.

 

Für Saft, Bier oder Ähnliches kannst du Mehrwegflaschen aus Glas benutzen. Dabei solltest du darauf achten, dass die Produkte aus der Region kommen, weil ein langer Transportweg viel CO2 verursacht. Hier gibt es zum Beispiel die Keltereien in Mylau oder Sachsenobst. Auch sollten die Getränke in standardisierten Flaschenformen abgefüllt sein, die mehrere Marken benutzen. Denn dann können die Getränkehersteller diese an verschieden Orten in einer Region wiederbefüllen und müssen die Flaschen nicht so weit transportieren.

 

Auch beim Mittagessen kannst du Müll vermeiden: Statt einen Imbiss in der Styropor- oder Pappschachtel zum Mitnehmen zu kaufen, kannst du dein Mittagessen am Abend vorher vorbereiten. Wenn du ohnehin kochst, bereitest du einfach eine Portion mehr zu. Für mehr Abwechslung kannst du auch einzelne Portionen einfrieren und eine Woche später essen.

Wer nicht so viel Zeit hat, findet auf den zahlreichen Internetseiten und Foren viele schnelle und einfache Rezepte. Du magst gar nicht kochen? Dann kannst du zumindest den Imbiss vor Ort vom Porzellanteller essen, anstatt ihn in Plastik verpackt mitzunehmen.

 

Lebensmittel regional und saisonal einkaufen

Fragst du dich manchmal, woher die Erdbeeren im Winter kommen? Sie werden aus Ländern wie Marokko, Ägypten, Israel, Neuseeland, Mexiko und Spanien importiert. Weil sie nach der Ernte rasch Druckstellen bekommen, müssen die Händler sie schnell mit dem Flugzeug oder LKW nach Deutschland transportieren. Das verursacht viele Emissionen. Auch erfordert der Anbau sehr viel Wasser – ausgerechnet in diesen trockenen Regionen. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel und die Natur und die Bevölkerung leiden Durst. Dabei sind die ökologischen Folgen durch Erdbeeren im Winter nur ein Grund, um lieber regional und saisonal einzukaufen.

 

Viele glauben, dass es eintönig wäre, wenn sie Obst und Gemüse regional und saisonal einkaufen. Doch die Vielfalt der Sorten ist sehr groß und das Internet voller abwechslungsreicher Rezepte. Wenn du recherchierst und verschiedene Sachen

ausprobiert, findest du bestimmt viele neue Lieblingssorten und Gerichte. Dabei kann dir beispielsweise der Saisonkalender der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. (BVEO) helfen. Er führt allein für den Monat Oktober acht verschiedene Salatsorten auf – von Langeweile keine Spur.

 

Der Saisonkalender ist ein guter Kompass, um im Supermarkt saisonal einzukaufen. Doch das Angebot an regionalen Produkten ist dort immer noch sehr begrenzt. Da hast du auf den Wochenmärkten bessere Chancen. Hier sind viele Erzeuger aus der Region vertreten. In Zwickau gibt es vier solche Märkte, aktuelle Infos dazu findest du auf der Seite der Stadt :

● auf dem Marienplatz in der Nähe des Doms

● in Neuplanitz auf dem Parkplatz Marchlewskistraße

● in Oberplanitz auf dem Markt

● und in Marienthal

 

Zusätzlicher Vorteil: Auf dem Wochenmarkt bekommst du fast alles ohne Plastikverpackung. So sparst du nicht nur CO2, indem du weiter Transportwege vermeidest. Du vermeidest zusätzlich Verpackungsmüll und unterstützt die Landwirte aus der Umgebung.

 

Eure Eltern und Großeltern kennen das bestimmt noch: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es normal, seine Mahlzeiten der saisonalen Ernte in der Region anzupassen. Denn es gab einfach nicht viele exotische Früchte und  Gemüsesorten. Das galt umso mehr für Zwickau als Teil der DDR. Unsere Eltern und Großeltern kennen daher viele Tricks, wie wir Lebensmittel wie Kohl und Rüben am besten verarbeiten können. Frag sie doch einfach mal nach einem leckeren Rezept für einen Eintopf.

 

So überdenkst du mit der Nachhaltigkeitspyramide deinen Konsum

Damit du immer am Ball bleibst, solltest du mit kleinen Schritten anfangen, nachhaltiger zu leben. Dann kannst du nach und nach immer mehr Verhaltensweisen überdenken und dir ökologische Alternativen suchen. Dabei kann dir die  achhaltigkeitspyramide helfen:

Nutze, was du besitzt: Das gilt vor allem für Elektronikgeräte, Möbel und Kleidung. Mode, Lifestylemedien und auch Instagram zeigen uns jeden Tag neue Trends und Hype-Produkte. Wenn wir jeden Trend mitmachen wollten, müssten wir uns ständig neu einkleiden und unsere Wohnungen neu einrichten. Das führt dazu, dass neue Produkte gar nicht mehr auf

eine langfristige Nutzung ausgelegt sind. Sie gehen bereits nach kurzer Zeit kaputt. Das produziert viel Müll und benötigt Unmengen Ressourcen. Darum solltest du bei jedem Kauf überlegen, ob du das Kleidungs- oder Möbelstück wirklich benötigst. Oder ob das, was du bereits besitzt, völlig ausreicht.

 

Reparieren, was du hast: Viele Elektronikgeräte lassen sich heute nur schwer reparieren, weil sie verklebt sind und nicht verschraubt. Falls du es doch versuchen willst, findest du bei ifixit viele Anleitungen – für Handys, PCs und sogar Autos. Außerdem kannst du in ein Repair-Cafe gehen, wo Ehrenamliche dir dabei helfen. Das nächste Repair-Cafe findest du in Chemnitz . Außerdem kannst du auch Kleidung reparieren, beispielsweise Löcher stopfen, zu enge Sachen auslassen und zu weite Kleidung enger nähen. Das erfordert ein bisschen Zeit, aber der Aufwand lohnt sich.

 

Selbst machen: Viele aussortierte Kleidungsstücke sind noch okay, auch wenn du sie nicht mehr tragen magst. Diese musst du aber nicht wegwerfen, du kannst daraus neue Dinge fertigen. So kannst du aus alten Baumwollshirts Abschminkpads oder Spüllappen nähen.

 

Ausleihen: Viele Dinge benötigen wir nur selten und den Rest der Zeit liegen sie ungenutzt herum. Bestes Beispiel sind Spezialwerkzeuge wie eine Schlagbohrmaschine. Dabei kennst du bestimmt einen Nachbarn, Onkel oder eine Kollegin, von denen du dir das Werkzeug ausleihen kann. Das spart Platz und Geld.

 

Tauschen: Das funktioniert bereits super bei Büchern. Mittlerweile gibt es in der Innenstadt zwei alte Telefonzellen, welche Ehrenamtliche zu Bücherschränken umfunktioniert haben. Dort kannst du deine ausgelesenen Bücher reinstellen und dir neuen Lesestoff besorgen.

 

Gebraucht kaufen: Kleidung bekommst du in Second-Hand-Läden, Möbel und Geschirr findest du auf Flohmärkten. So erhalten viele Schätze ein neues Zuhause, die andere nicht mehr brauchen.

 

Neu kaufen – bio, fair und regional: Du brauchst trotz der Alternativen ab und zu etwas Neues? Dann solltest du darauf achten, wo es herkommt. Ist es ökologisch und fair produziert?

 

Mit anderen über deine Erfahrungen austauschen

Der Weg hin zu einem nachhaltigen Leben ist nicht immer einfach. Manche Gewohnheiten haben sich eingeschliffen und lassen sich nur schwer ändern. Auch gibt es nicht immer die passenden Alternativen oder sie lassen sich nicht ohne Weiteres in den Alltag integrieren. Das ist aber kein Grund, aufzugeben. Wenn viele Menschen Schritt für Schritt etwas nachhaltiger leben, ist für unseren Planeten schon sehr viel getan.

 

Du bist nicht allein mit diesen Herausforderungen und dem Wunsch nach ökologischen und unverpackten Alternativen. Auch in Zwickau gibt es bereits viele Menschen, die ähnlich denken wie du. Im Austausch mit anderen kannst du dich inspirieren lassen und viele gute Ideen sammeln. Du kannst mich gerne ansprechen und ich werde künftig den einen oder anderen Workshop anbieten. Auf den Handwerkermärkten in der Region um Zwickau herum findest du viele Anbieter und andere Menschen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren. Die Community wächst und damit wachsen auch die  möglichkeiten. Wir wollen etwas bewegen und fangen gerade erst richtig an.